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Südostbayrische Rundschau
Donnerstag, 2. November 2000

Schönheit der Heimat, verlockende Ferne


"Jahresausstellung 2000": Christine Hötzendorfer stellt derzeit im Waginger Verkehrsamt aus

Waging am See. Aus ihrem imponierend stattlichen Oeuvre gestaltet Christine Hötzendorfer ihre neue "Jahresausstellung 2000" im Waginger Verkehrsamt. Schon beim ersten kurzen Blick manifestieren sich die bekannten Qualitäten der Malerin: Farbenfreuden und koloristischer Prunk, ein detaillierter nuancenfroher Blick auf das Kleine und Unscheinbare ebenso wie auf die großen Motive sowie schöne technische "Selbstverständlichkeit".

Der Berichterstatter möchte aus der Fülle der Exponate nur auf einige Werke hinweisen, die ihm besonders gefielen beziehungsweise bemerkenswert erschienen . Die duftigen und zarten Formate "Baumgruppe" und "Winterspaziergang" sind ansprechende Repräsentanten der vierten Jahreszeit, gleichsam prototypische Bilder. Die Spannbreite der weiteren Themen und Motive spannt sich von Stilleben – aus der unmittelbar erfahrbaren konkreten Dingwelt – bis hin zu den beeindruckenden und interessanten Darstellungen aus der "Neuen Welt". Das technisch schwierige kleine Exponaten "Gurken im Garten" - "Ich habe ewig lange daran hingearbeitet" meint die Künstlerin - akzentuiert die eine Seite, "Amerika weiß", "Amerika blau" und "Die Börse brennt" dagegen greifen in die Weite und verweisen auf das ästhetisch so reizvolle Reich der Utopien, Illusionen und auch Visionen. Sehr ansprechend ist auch "Magnolien", das hier stellvertretend für die zahlreichen Blumenbilder mit ihrer oft explosive starken Farbigkeit erwähnt sei. Das friedvoll herbe, aber augenfällige Exponat von "Untergang und Auferstehung" mit dem im Gedächtnis (und Gedenken) bleibenden "Schädelbaum" empfanden manche der zahlreichen Vernissage-Besucher als einen Höhepunkt der Präsentation, wohl mit Recht. Wieder zurück in heimatliche Regionen bringt das (arbeitsintensive und aufwendige) Format "Der grüne Stuhl beim Stöckel". Fast arkadisch heiter und beschwingt ist die "Hommage an Kurt Kühn", eine Reminiszenz an den (hoffentlich) unvergessenen Schlesier und Wahlwaginger Kühn (1880-1957).

Ebenfalls Erinnerungen der wehmütigen Art rufen die Gemälde "Schloss Gessenberg im Winter" und "Schloss Gessenberg im Sommer hervor. Ironischen, fast deftigen Witz bewundert man schließlich beim famosen Opus "Mondschweinserenade". Dagegen beweist "Pusteblumen" eine windverwehte Leichtigkeit und beschwingte Delikatheit.

Christine Hötzendorfer lud als Gastaussteller den jungen Waginger Holzschnitzer Konrad Meyer ein. Seine Holz- und Tonarbeiten bewiesen neben der selbstverständlichen Metiersicherheit – Konrad Meyer ist Absolvent der Berchtesgadener Berufsfachschule für Holzbildhauer und Schreiner – auch den ästhetisch so wichtigen Blick auf das Wesentliche. Die Exponate sind ein Dokument des intensiven Ringen um die Form, der den "Inhalt" lebendig werden lässt. Man betrachte etwa "Törichte Jungfrau", die "Faust" und den markanten "Knienden" (vor dem Verkehrsamt). Um die künstlerische Zukunft von Konrad Meyer braucht einem nicht bange sein.

Die sehenswerte Ausstellung im Verkehrsamt geht bis zum 5. November. Sie ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

C.B.

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| 25.07.2012 | Design: Holz & Art |
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